Friedenskirche Tuchenbach
 
 
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Die Friedenskirche in Tuchenbach

—• Kurzer kirchengeschichtlicher Rückblick
—• Das Konzept der Friedenskirche
—• Der Kirchenraum und seine sakralen Gegenstände
—• Friedhof und Skulpturenweg
—• Herausgeber, Quellennachweis und Copyright



Kurzer kirchengeschichtlicher Rückblick  


 Friedenskirche mit "altem" Kirchturm.


Unser Dorf Tuchenbach, urkundlich erstmals 1284 erwähnt, besaß in seiner über 700 jährigen Geschichte niemals ein eigenes Gotteshaus. Es gehörte, obwohl politisch selbständig, immer zur Kirchengemeinde Veitsbronn. Das bedeutete, dass die Tuchenbacher zu allen Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen und kirchlichen Festen nach Veitsbronn laufen oder fahren mussten. Erst Ende des 20. Jahrhunderts kam der Wunsch nach einer eigenen Kirche auf. Anlass hierfür war, dass der durch rege Siedlungstätigkeit gewachsene Ort einen eigenen Friedhof benötigte. Warum sollte dann nicht die benötigte Aussegnungshalle zu einem kleinen Gotteshaus erweitert werden?

Insbesondere Bürgermeister Eberhard Boer, zweiter Bürgermeister Heinz-Leo Weiß und Pfarrer Winfried Buchhold trieben den Kirchbaugedanken maßgeblich voran. Nach intensiven Beratungen einigten sich die politische Gemeinde und die Kirchengemeinde schließlich auf den Bau einer Kirche mit Aussegnungsraum. Bauherr war die Kommune Tuchenbach. Finanziert wurde der Bau von der politischen Gemeinde Tuchenbach und der Kirchengemeinde Veitsbronn mit Zuschuss der Landeskirche. Der freistehende Glockenturm wurde vorwiegend aus Spenden Tuchenbacher Bürger finanziert. Er war angelegt für drei Glocken. Aus finanziellen Gründen gab es aber bis zum Jahr 2010 nur eine Glocke, die "Gebetsglocke" mit dem Text: "Wachet und betet", gestiftet vom damaligen Bürgermeister Eberhard Boer.

 Steintafel im Inneren der Kirche
 zur Erinnerung an die Grundsteinlegung

Im Jahr 2010 wurde die Glockenstube mit Schall-Läden versehen und das Geläute auf drei Glocken erweitert. Es sind dies die "Taufglocke" mit dem Text: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden", gestiftet von Bürgermeister Leonhard Eder und die "Christusglocke" mit dem Text: "Friede sei mit Euch", gestiftet von Gastwirt Leonhard Kalb, Tuchenbach. Gefertigt wurden die Glocken von der Karlsruher Glockengießerei Bachert.

Die Grundsteinlegung des vom Architekturbüro Wagner&Moertel (Cadolzburg) entworfenen modernen Kirchenbaus erfolgte im November 1999, woran die Steintafel im Inneren rechts am Eingang erinnert. Nach dem zügigen Ausbau und der Fertigstellung der sakralen Gegenstände wurde am 3. Juni 2000 die Weihe zur Kirche durch Landesbischof Johannes Friedrich vollzogen. Man hatte sich auf den Namen "Friedenskirche" geeinigt und dem Bau das Wort zu Grunde gelegt: "Euren Frieden lasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch. Nicht gebe ich Euch wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." Joh. 14, Vers 27



Das Konzept der Friedenskirche  


Unsere Friedenskirche wurde als "Wegekirche" konzipiert, die den Weg des Christen durch sein Leben, von der Aufnahme des Täuflings bis zur Verabschiedung des Toten begleitet. Diesen Weg symbolisieren die dunklen Quadrate im Fußboden, die im Außenbereich der Kirche am Glockenturm beginnen, hinein in die Kirche geleiten und durch die dunkle Tür im Osten des Gebäudes wieder hinaus ins Licht und auf den Friedhof führen. Sie enden dort vor einer Bahre aus dunklem Schiefer, der die Abdrücke eines menschlichen Körpers erkennen lässt. "Memento mori"- Gedenke des Todes ruft dieser Stein den Lebenden zu: Welche Spuren wirst du einst in den Herzen deiner Mitmenschen hinterlassen? Geschaffen wurde dieses Mahnmal vom Bildhauer Heinz-Leo Weiß.

 Der Altarraum

Obwohl die Friedenskirche eine moderne Kirche ist, fußt sie doch sichtbar auf alten Traditionen: So wurde in vereinfachter Weise die Form der Basilika mittelalterlicher Kirchen mit hohem Mittelschiff und niederen Seitenteilen übernommen. Der offene, rechte Seitenflügel kann bei Bedarf durch Aufstellung weiterer Bänke und Übertragung des Gottesdienstes durch Außenlautsprecher als zusätzlicher Gottesdienstraum genutzt werden. Durch ihren Standort mitten im Friedhof greift die Friedenskirche die Tradition frühchristlicher Kirchen, als sogenannte "Friedhofskirche", auf. Die sichtbare räumliche Verbindung von Leben und Tod prägt auch den zeremoniellen Ablauf bei Beerdigungen. So findet der Sarg mit dem Verstorbenen während des Gottesdienstes seinen Platz im Raum der Gemeinde zwischen Altar und Taufstein. Von hier aus wird er anschließend durch das sonst verschlossene Osttor auf den Friedhof geleitet.

Der Glockenturm steht mit zwei Pfeilern außerhalb und mit den beiden anderen Pfeilern innerhalb der Kirchenmauer. Auf diese Weise verbinden die vier Stützpfeiler die Welt unseres Alltags mit dem sakralen Bereich des Kirchengebäudes. Der Turm "überschreitet" die Mauern des Kirchenvorhofs. Erfordert so symbolisch dazu auf. eigene Widerstände und Berührungsängste zu überwinden und lädt dazu ein, das Haus Gottes als einen Ort des inneren Friedens aufzusuchen.




Der Kirchenraum und seine sakralen Gegenstände  


Beim Betreten der Kirche empfängt uns ein heller, klarer Raum aus den Materialien Beton, Glas und Holz. Darin begegnen uns die sakralen Gegenstände der Friedenskirche, aus den Materialien Naturstein, Holz, Metall und Stoff. Sie verdeutlichen die liturgische Handlung des Gottesdienstes. So kommen sie einerseits im sonntäglichen Gottesdienst zum Einsatz, tragen andererseits aber auch eine sinnbildliche Bedeutung. Geschaffen wurden sie von dem Nürnberger Bildhauer und Steinmetzmeister Heinz-Leo Weiß, der seit 1972 mit seiner Familie in Tuchenbach wohnte, und im Jahr 2006 hier auf dem Friedhof beigesetzt wurde. Taufschale, Lesepultaufsatz und Altarleuchter aus verzinntem Eisen entstanden nach Entwürfen des Künstlers. Ausgeführt wurden sie von den Kunstschmieden Weber und Herrmann aus Seukendorf.

 Altarkreuz aus Bronze

Der Altar ist, ebenso wie das Lesepult, der Osterleuchter und der Taufstein, aus "Rochlitzer Porphyr", einer besonderen Natursteinart, gearbeitet. Diese bei Chemnitz abgebaute Gesteinsart vulkanischen Ursprungs hat eine dichte, feinkörnige Grundmasse und galt wegen ihrer Purpurfärbung bereits in der Antike als königliches Gestein. Eingerahmt von Lesepult, Taufstein und Osterkerze bildet der Altar das Zentrum des Raumes. Er ist als "Tisch des Herrn" gestaltet, der uns als seine Tischgenossen zum heiligen Abendmahl einlädt. Bei der Abendmahlsfeier steht die Gemeinde im Kreis um diesen Tisch und empfängt Gottes Gabe: Brot und Wein und reicht sich zum Zeichen der Versöhnung die Hände. Die quadratische Grundform des Altars symbolisiert unsere Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen. Dies bedeutet: Gott ist Herr über unsere ganze Erde und ruft alle Menschen dieser Erde zu sich. Die vier tragenden Säulen des Altars erinnern an die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die uns die Worte und Taten Jesu überliefert haben.

Das Altarkreuz aus Bronze zeigt Christus, den Gekreuzigten im Licht der Auferstehung Der Künstler hat sein Werk mit folgenden Worten beschrieben: "Christus als Gekreuzigter, Christus als König der Juden, Christus als unser König, Christus als Kyrios beherrscht das Altarkreuz aus Bronzeguss. Er durchdringt das Quadrat Das Quadrat steht mit seinen vier Seiten, seinen vier Himmelsrichtungen von Alters her für das Irdische, für die Erde, auf der wir leben. Die Erde wird durchbrochen vom Kreuz, einem Kreuz als Durchbruch, einem Kreuz als Licht. Der Korpus des Gekreuzigten ist umgeben vom Licht. Der Korpus - das Kreuz - die Erde sind gemeinsam eingebettet in einem Kreis. Der Kreis symbolisiert das Unendliche. Er ist Symbol für das Göttliche, er ist ohne Anfang und Ende, so wie die Herrschaft Gottes ohne Anfang und ohne Ende ist. Sie umspannt alles: das Irdische, das Kreuz, den Gekreuzigten. Es ist eine Einheit, es ist nicht trennbar. Es ist das, was die Mitte unseres Lebens ausmachen soll, wie es die Mitte des Altars ausmacht"

 Taufstein aus Rochlitzer Porphyr
  und verzinntem Eisen

Der Taufstein trägt eine Taufschale, die unten nicht wie üblich abgerundet ist, sondern spitz auf einen Punkt zuläuft. Sie drückt damit aus: die Taufe bringt unseren Glauben auf den Punkt: Gott ist es, der uns liebt, Gott ist es, der uns in Christus mit sich versöhnt hat. In der christlichen Taufe werden Täufling und Gemeinde an das geistliche Zentrum ihres Lebens erinnert. Dieses wird nicht aus eigener Kraft geformt und erworben, sondern dem Menschen von Gott geschenkt.

Neben dem Taufstein befindet sich der Osterleuchter. Sein steinerner Sockel versinnbildlicht, neben den vier stützenden Pfeilern des Altars und dem Taufstein, eine weitere tragende Säule christlichen Glaubens. Das Licht der Osterkerze steht für die Überwindung des Todes durch die Auferstehung des gekreuzigten Christus. Räumlich dem Bereich der Taufe zugeordnet, bezeichnet die Osterkerze die Hoffnung auf neues Leben, in der Erfahrung von Dunkelheit und Tod. "So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleich wie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln." Römer 6, Vers 4

 Das farbige Vortragekreuz aus Holz vereint zwei Seiten:
 Christus, den Auferstandenen und den am Kreuz gestorbenen

Mit dem Osterleuchter verbunden ist ein aus Holz geschnitztes Kreuz, das bei kirchlichen Festen und Beerdigungen der Gemeinde als Vortragekreuz dient. Das Kreuz hat zwei Ansichtsseiten: die eine Seite zeigt den am Kreuz gestorbenen Christus. Sie ist in schwarz-grauen Farbtönen gehalten und nur am Karfreitag der Gemeinde zugewandt. Die andere Seite zeigt in satten, kräftigen Farben Christus den Auferstandenen im weißen Gewand, die Arme zum Segnen ausgebreitet; über ihm die Farben des Regenbogens als Zeichen des alten Bundes zwischen Gott und Mensch. Diesen ersten Bund hat Christus mit dem neuen Bund, den er im Abendmahl gestiftet hat, zur Vollendung gebracht, deshalb wird der Halbkreis des Regenbogens zum vollen Kreis gerundet. Bei Beerdigungen geleitet das Vortragekreuz mit der Seite des toten Christus voran den Verstorbenen auf den Friedhof. Die Gestalt des Auferstandenen und Segnenden blickt auf den Trauerzug der nachfolgenden Gemeinde.

Über dem Altar im Ostfenster des Gebäudes befindet sich ein Kreuz aus dunklem Bronzeguss mit freitragender Befestigung. Die bewegte Oberfläche des Reliefs mit seinen kantigen Vertiefungen erinnert gleichermaßen an die verschlungenen Wege, Höhen und Tiefen, die jeder Mensch in seinem Leben zurück legen muss, als auch an den steinigen Leidensweg Christi während der Passion. An seinem höchsten Punkt befindet sich die Form einer Krone, als Zeichen der Überwindung der Welt durch Kreuzestod und Auferstehung.

Die großformatigen Wandbehänge aus Stoff an den Wänden des Kirchenraumes stammen aus den Jahren 2004 bis 2006. Sie wurden vom Künstler mit der jeweiligen Jahreslosung gestaltet. Die Paramente (liturgische Tücher, von lat. parare mensam = den Tisch bereiten) für die Altarvorderseite in Seidenmaltechnik oder als Stoffapplikationen zeigen meditative Bilder in den Farben des liturgischen Kalenders.

Auf der Empore befindet sich die elektronisch-digitale Aalborn-Orgel und weitere 50 Sitzplätze, so dass insgesamt 150 Gottesdienstbesucher in der Kirche Platz finden. Der Blick von der Empore durch das Ostfenster auf den Friedhof verbindet die Verstorbenen der Gemeinde mit den Lebenden. Der Blick hinaus ins Weite verbindet uns aber auch mit unserer "Mutterkirche" St. Veit in Veitsbronn, deren Kirchturm durch die Baumkronen herüber grüßt.

 Blick über den Friedhof

Neben der Sakristei, im linken Seitenflügel, befindet sich der Aussegnungsraum. Hier verweilt der Verstorbene von der Überführung bis zur Beerdigung. Die ruhige und tröstliche Atmosphäre erhält der sonst schlichte Raum durch die zarten Farbabstufungen eines Glasbildes, geschaffen vom Glaskünstlers Günter Groß aus Wernigerode im Harz. Es wurde im Jahr 2000 von der Ortsgruppe der SPD in Tuchenbach für die Friedenskirche gestiftet.

 Gestaltetes Glasfenster
 im Aussegnungsraum




Friedhof und Skulpturenweg  


Der Friedhof der Friedenskirche bettet sich sanft in das abfallende Gelände der umgebenden Hügellandschaft ein. Er bildet einen Abschluss unseres Ortes, vermittelt zwischen menschlicher Gemeinschaft und Natur. Entlang des rechten Seitenflügels der Kirche bis zu den ersten Grabreihen des Friedhofs führt ein Skulpturenweg. Dieser wurde im Jahr 2007 von Bildhauern des "Gestaltungskreises Bayern" errichtet. Die Skulpturen aus Stein, Metall, Holz und Glas erzählen von der Fragilität des menschlichen Lebens, das durch den Tod oftmals unvermutet beendet wird, aber auch von der Kraft persönlicher Erinnerung und der Hoffnung auf Auferstehung. Errichtet wurden die Stelen als Ausdruck der Freundschaft und als Zeichen der Wertschätzung, im Gedenken an den Bildhauer Heinz-Leo Weiß (1941-2006), Mitbegründer des Gestaltungskreises Bayern, dem die künstlerische Gestaltung der Friedenskirche ein inneres Anliegen war. An ihn erinnert auch eine in das Friedhofsgelände integrierte, begehbare Ausstellung mit bildhauerisch gestalteten Grabzeichen aus dem Nachlass des Künstlers.

 Stele aus Naturstein
 im Skulpturenweg




Herausgeber, Quellennachweis und Copyright  


 Der Auferstandene

Herausgeber: Kirchengemeinde Veitsbronn
Text: Irmgard Weiß/ Forum Tuchenbach
Fotografien: Hermann Iser/ Regina Weiß
Layout: Regina Weiß
Druck: könitzers druck + medien gmbh, Berlin


Abdruck, auch Auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers.

Die gedruckte Version der Broschüre kann über das Pfarramt Veitsbronn bezogen werden.


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